Die beiden AUGUST-GAUL-PFADE

 

Der historische Pfad –
Orte in Großauheim mit Bezug zu August Gaul

 

1. jetzige August-Gaul-Schule (damals Turmschule): Es ist die einzige nach ihm benannte Schule (Großauheim hat auch die einzige August-Gaul-Straße). An der Westfassade wurde von August Peukert ein Sgraffito „Bremer Stadtmusikanten“ angebracht. Im Hof der benachbarten „evangelischen Schule“, heute Seniorenheim, befindet sich der Pinguinbrunnen, 1969 von der Stadt Großauheim errichtete, 7.11.2013 auf das neue Brunnenbecken von Gutberlet gesetzt. Ab November bis Ostern tragen sie Schals….

2. Main: Gauls Ururgroßvater Bernhard Gaul, *1723, Schuhmacher wie sein Vater, war aus Miltenberg zugezogen und heiratete 1754 die Maria Elisabeth Kämmerer. Der Main wurde erst ab 1922 zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut und folglich damals noch ein unverbauter Fluss mit jahreszeitlich stark schwankenden Wasserständen.

Firma Rhein, Leinpfad 1. Ab 1882, noch während seiner Schulzeit, begann August Gaul seine Ausbildung an der Hanauer Zeichenakademie und studierte ab 1884 dort als Tagesschüler. Ab 1887 arbeitete er in der Tiegelei Rhein als Ziseleur, vor allem mit Silber, an Aufträgen von kunstgewerblichen Werkstätten. Firma Rhein stellte ansonsten Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Fenster- und Türgriffe her.

3. St. Jakobus: Hier wurde August G. getauft. Wie damals fast alle Großauheimer war er katholisch (Der „Kulturkampf“ Bismarcks gegen die Kirche beunruhigte damals die Bevölkerung). Hier erlebte er 14jährig die 3. Eheschließung seines Vaters Philipp mit der Stiefmutter Amichen. Um die gleiche Zeit erhielt er hier die Erste Kommunion und die Firmung. Die 1766 eingeweihte Barockkirche war der prachtvollste Raum im Ort und wird das künstlerisch aufmerksame Kind geprägt haben.

4. Haggasse (damals Jakobusgasse) 12a: Das Hinterhaus an der Pfarrgasse wurde 1845 von Großvater Peter Gaul gekauft. In diesem Haus seiner Großeltern Peter und Anna Maria wurde August Gaul am 22. Oktober 1869 als erstes Kind seiner Eltern Philipp und Katharina geboren. Bereits drei Monate nach der Geburt zog die Familie um.

5. Alte Schule: Am 1. Juli 1876 wurde August Gaul offiziell in die katholische Volksschule aufgenommen, aber er besuchte sie schon ab dem 12. April 1875, der Grund für diese Diskrepanz ist offen. Die Schule hatte ungefähr 380 Schüler. Die damaligen Lehrer waren Ludendorff, Jahn, Kern, Kronenberger und Kullmann. August verließ die Schule 1883. Er fehlte fast nie und hatte in allen Hauptfächern „sehr gut“.

6. Krotzenburgerstraße 6: Dieses Haus kaufte Vater Philipp Gaul mit seiner zweiten Frau Katharina 1869, drei Monate nach der Geburt des 1. Kindes. August Gaul, der Erstgeborene, lebte hier dann bis zum 18. Lebensjahr. Vater Philipp war Steinhauer und hatte im hinteren Raum der Scheune seine Werkstatt, der größere Teil diente dem landwirtschaftlichen Betrieb. Er hatte Äcker, zwei Kühe, zwei Schweine, eine Ziege und Federvieh. Seine 9 Jahre jüngere Schwester Emma stand ihm sehr nahe, sie besuchte ihn einige Male in Berlin.

In der Zeit zwischen 1869 und 1887 änderte sich das Bauerndorf sehr. Die Bahnlinie fuhr seit 1854, deshalb siedelten sich neue Betriebe u.a. der Zigarrenindustrie, eine Zinkhütte, eine Eisengießerei und eine Farbenfabrik an. Zusammen mit der Ketten-Mainschifffahrt führte es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, wachsender Einwohnerzahl und Fortschritt: Es gab einen Arzt, eine Apotheke, Bank und Kindergarten.

Das alte Haus wurde in den 1950er Jahren von der Familie Lotz gekauft, abgerissen und an seiner Stelle das Gasthaus gebaut, August Peukert zierte es zu Gauls Ehren mit den „laufenden Bären“.

7. Rochusplatz: Hier standen ab 1958 die Enten von Gaul am „Entenbrunnen“, Dann ab 1971 seine berühmte junge Löwin, die als Wehrzeichen gegen die Eingemeindung verstanden wurde. Drei Jahre nach der Eingemeindung, 1977, wurde wieder getauscht, der Entenbrunnen kam zurück. Seit 1991 sind Enten und Löwin im Museum vereint. Zum 150. Geburtstag des Künstlers errichtete die Stadt das Stadtmöbel und Denkmal von Matthias Kohnen. Silhouetten der Enten, der Löwin und des Katers Paul sind als flache Vertiefungen eingearbeitet. Kater Paul im Original ist eine Kühlerfigur, die Gaul. für seinen Mäzen und Freund Paul Cassirer fertigte.

8. Alter Friedhof: Als August G. fünf Jahr alt war, starb sein jüngerer Bruder, im neunten und zehnten Lebensjahr beerdigte er seine Großeltern, mit dreizehn Jahr starb seine Mutter Katharina. Er schuf für seinen Vater Philipp und seine geliebte Halbschwester Emma das heutige Grab 1910.

Hier findet sich auch das Grabmal von Johannes Rhein und Familie, seinem ersten Arbeitgeber.

9. Museum Großauheim: Seit 2010 ist das Großauheimer Museum ein Ort der Gaul-Erinnerung. Viele Exponate und wesentliche neue Informationen sind dort vereint. Der bauliche Ursprung des Museums ist das bis 1922 betriebene lokale Elektrizitätswerk.

 

 

Künstlerischer Pfad -
im Ort verteilte Werkshinweise

 

Pinguinbrunnen: Ecke Patershäuser/Hanauer Landstraße

Gaul am Kasuar: Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße

August-Gaul-Denkmal von Kohnen: Rochusplatz

Eselsreiter und Eselsreiterin: an der Paulskirche 1, hinter dem Ehrenmal

Giraffe: im Schulhof der St. Josefsschule am Leinpfad

laufender Bär: im Schulhof der Montessori-Schule Pfarrgasse 2

Fischotter: in der Anlage Ecke Haggasse/ Leinpfad

Löwin: Ecke Sandgasse/Jakobusstraße

Elefant: im Schulhof der Eichendorffschule an der Marienstraße 19

Tapir: Ecke Rochusstraße/Waldstraße/Spitzenweg

Strauß: Ecke Rue de Conflans/Waldstraße

kleiner Zoo: Ecke Bahnhofstr./ Luisenstraße

Pinguine: auf der Mauer des alten Friedhofs, am Pfortenwingert 4

 

 

 

Freunde:

Heinrich Hain, Krotzenburgerstr. 3, war Bauer, verheiratet mit Anna geb. Heilmann. Ihrem Sohn August war August G. Taufpate, Nachbar und auch mit der elterlichen Familie befreundet.

Christian Heuser, Glaser, wohnte über die Ecke in Krotzenburgerstr. 8, später Rochusstr. 5 Es kam zu wechselseitigen Patenschaften und er war Trauzeuge von Philipp und Annamaria G.

Heinrich Schuler, Luisenstr. 19, später Krotzenburgerstr. 2, war ein Schulkamerad. Er wurde wie sein Vater Schuster und orthopädischer Schuhmachermeister. Der heutige Betrieb ist in den Händen seines Urenkels.

Heinrich Botzum war ebenfalls Schulkamerad und der Sohn des Wirtes und Brauers vom „Goldenen Löwen“, heute sogenanntes Altes Rathaus Haggasse 1. Er gründete später in der Bahnhofstrasse die Brauerei dort.

Carl Kronenberger, Paulsgasse 6, studierte ebenfalls in der Zeichenakademie und betrieb eine Großauheimer Ziseleur-Werkstatt.

Simon Knoch studierte mit August G. in der Hanauer Zeichenakademie und wurde später erster einheimischer Berufsfotograf.

 

Besonders in den ersten zehn Jahren litt August G. sehr an Heimweh und er besuchte zwischen 1888 – 1898 von Berlin aus Großauheim und seine Freunde. Später mit seiner Ehefrau und seinen Kindern, aber auch mit den Berliner Freunden, quartierte er bei der Stiefmutter und seinen Freunden in Großauheim.