Sehr geehrte Damen und Herren.
Seit ungefähr 3 Jahren reifte im Vorstand des HGV die Idee, das größte Flurkreuz wieder aufzustellen. Denn es lag seit ca. 50 Jahren in unserem Magazin, zerbrochen in Stele und Kopfteil, ohne Fundament. Am 21.9.1973 hatte Dr. Picard dem Vorbesitzer Willi Kleinschmidt beides für 50 DM abgekauft und dem Heimat- und Geschichtsverein geschenkt. Kleinschmidt hatte 1919 das Land gehört, auf dem das Flurkreuz stand, ungefähr da wo heute Blumen Risse ist.
Der Geschichtsverein hatte bereits in den vorangegangen Jahren die anderen Flurkreuze renovieren und aufstellen lassen:
Das Borngassenkreuz an der Ecke Borngasse/Hauptstraße
Das Kreuz am Gräbchen, das jetzt am Pinguinbrunnen steht
Das Steinheimer Kreuz am Bautz
Das Mittelfeld-Kreuz an der kath. Kirche hl. Geist
Das Kreuz am Wolfsbaum in der BBC-Straße
Das Kreuz am Hergersweg
Es fehlt noch das Kinzigheimer Kreuz, das sich noch im Besitz der kath. Kirchengemeinde befindet.
Der Bildstock am Tümpelpfad und der am Schmalwiesenweg sind verloren.
Der Kopf dieses Bildstockes war so verwittert, dass eine Weile die Überlegung bestand, ein anderes multireligiöses Bildnis herzustellen. Gedacht war an die Arche Noah, die in allen abrahamitischen Religionen bekannt ist.
Seit 2024 erging der Auftrag an den Stein-Künstler Cemal Uran
Um aus dem alten flachen Stein dieses Motiv wieder zu heben musste Cemal tief hinein hauen in das Relief, so dass es so schmal wurde, dass es verstärkt werden musste. Auch die schönen barocken Voluten und Zierränder heraus zu arbeite musste er mit viel Geduld den alten, trocknen spröden Stein liebevoll meißeln. Je näher er dem heutigen Zustand kam um so klarer wurde, dass eine Mutter, die um ihr verletztes, getötetes und verlorenes Kind weint ebenfalls ein universales und leider immer noch zeitloses Thema ist.
Gleichzeitig erfolgte mit verschiedenen Abteilungen der Stadt Hanau eine Suche nach dem möglichst originalen Standort, bis sich dann diese kleine Anlage ergab. Sie ist insofern geeignet, dass sie einerseits an der Hanauer Landstraße liegt, andererseits noch im Bereich des Spazierganges und nicht mitten im Industriegebiet, wo sie der Autofahrer übersieht. Andererseits kann diese kleine Anlage eine Aufwertung gebrauchen und auch eine Bank täte dem Platz sehr gut. Ein Problem war die Statik und die Aufstellung, die die Fa. Hauenstein und zu einem sehr wichtig Teil Herr Architekt Euler dankenswerter Weise übernahmen.
Sowohl die Familie Spiegel, die damals dieses Kreuze errichten ließ, wie auch unser Verein, der es wieder restaurieren und platzierte, mussten dafür viele Rubel rollen lassen. Dazu verwendeten wir zu einem größten Teil Vereinsvermögen, also Ihre Beiträge u, städtische Zuschüsse und Spenden. Aber auch die Sparkasse hat uns unterstützt und wir danken dafür sehr herzlich.
Die Pflege der Kleindenkmalen liegt in der Hand der Stadt Hanau, die heute den Besitz am Flurkreuz übernimmt.
Damit kehrt ein Stück unserer Geschichte zurück in den öffentlichen Raum.
Möge dieses Kreuz nicht einfach nur ein altes Denkmal sein, an dem man vorübergeht. Möge es auch künftig daran erinnern, dass Menschen schon vor Jahrhunderten hier gelebt, gehofft, gelitten und gebetet haben.
Und vielleicht lädt es den einen oder anderen dazu ein, für einen Moment stehenzubleiben und innezuhalten.
Heute dürfen wir dieses besondere Stück unserer Geschichte wieder der Öffentlichkeit übergeben.
Vielen Dank