„Heimat – wem gehört sie?“ - Podiumsdiskussion

 

Der Heimat- und Geschichtsverein Großauheim 1929 e.V. und der Fachbereich Kultur der Stadt Hanau hatten am 2. Juni 2023 zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Heimat – wem gehört sie?“ eingeladen.

Fachbereichsleiter Martin Hoppe hatte die Moderation übernommen, begrüßte die rd. 40 Gäste und Gesprächspartner. Es waren dies Dr. Esther Mikuszies, Leiterin Kulturforum Hanau, Dr. Bertold Picard, Bibliotheksdirektor a.D. und Ehrenmitglied des HGV sowie die Eheleute Shayegh-Ebadi aus dem Iran und jetzt Großauheimer Bürger.

In seiner Einführung stellte Hoppe den Begriff „Heimat“ anhand von zahlreichen Zitaten aus dem Grimm´schen Wörterbuch und der Geschichtsschreibung vor. Nachweislich sei der Begriff erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. Der heutige Heimatbegriff habe sich in der Romantik entwickelt und findet nur im deutschsprachigen Raum Anwendung, viele andere Länder haben das Wort nicht im Repertoire. Dr. Picard zitierte aus der Satzung des Heimat- und Geschichtsvereins Großauheim, welche Aufgaben dem Verein obliegen, u.a. die Belange der lokalen geschichtlichen und naturkundlichen Forschung wahrzunehmen. Er selbst sehe in dem Begriff „Heimat“, den Ort, an dem man sich wohlfühlt, wo man geboren wurde oder zu Hause ist. Dies kann eine Schule, eine Ausbildungsstätte, eine Stadt, ein Land  oder auch der Arbeitsplatz sein. Dr. Mikuszies fragte, ob Heimat immer nur ein Ort sein muss? Man könne die Zugehörigkeit zu einem Land auch als Heimat ansehen. Dies sei besonders ein Thema der Migration. Für viele sei auch die Muttersprache ein Stück Heimat, böte eine kulturelle Identität. Dies konnten die Eheleute Shayegh-Ebadi bestätigen, die zum Studieren und arbeiten nach Deutschland kamen. Für sie als Bauingenieur und Apothekerin war es anfangs schwierig dem hessischen Dialekt zu folgen, was unweigerlich zu Heimweh führte. Mit der Zeit habe man aber bestens eingewöhnt und konnte ein Gefühl des „Angekommenseins“ entwickeln. Die Familie fühle sich jetzt zu Hause und könne Großauheim als ihre Heimat ansehen.

Die engagierte Diskussion zeigte auf, wie unterschiedlich der Begriff „Heimat“ ausgelegt werden kann. Übereinstimmend kam man zum Schluss, dass nur, wer sich vor Ort wohlfühlt und akzeptiert wird, Heimatgefühle entwickeln kann und sich damit auch für sein direktes Umfeld engagieren mag.

Zum guten Gelingen der Veranstaltung trug wesentlich die Bewirtung von Kerstin und Jürgen Koppke von der Gaststätte „Zur alten Scheuer“ mit Tapas und Getränken bei. Tenor war, dass solcherlei Angebote für „Geist und Magen“ eine Fortsetzung erfahren sollten.